Die Lüge vom studentischen Lotterleben

veröffentlicht am 24.06.2019

Wer kennt es nicht? Das Klischee vom faulen Student. Die Meinung, dass Studierende „ja eh keine Ahnung vom echten Leben haben“ und „nicht wissen, was Arbeit ist“. Oder die Aussage, im Studium habe man es ja so gut.

In dieser oder einer ähnlichen Form haben wir das doch bestimmt alle schon einmal gehört. Umfragen und Studien aus den vergangenen zwei Jahren sprechen aber eine andere Sprache. Studierende sind immer häufiger von psychischen Problemen betroffen. Galten sie in früheren Studien noch als weniger anfällig für psychische Probleme als Nicht-Studierende im selben Alter, zeigen der Arztreport 2018 der Krankenkasse Barmer sowie die Studie: „Gesundheit Studierender in Deutschland 2017“: Das stimmt nicht mehr. Beispielsweise leiden laut Studie etwa 15,6 % der Studierenden an einem depressiven Syndrom, also fast jede/r sechste Studierende. Der altersgleiche Durchschnitt für Betroffene eines depressiven Syndroms liegt mit 12,5 % deutlich unter diesem Wert.

Auch das hohe Stresserleben (laut Studie berichtete gut ein Viertel der Studierenden von einem hohen Stresserleben) und die Burnout-Anzeichen (24,4% der Befragten gab an, mindestens einmal pro Woche an Erschöpfung zu leiden) weisen nicht gerade darauf hin, dass psychische Gesundheit unter Studierenden eine Selbstverständlichkeit ist.

„Die Gründe, warum so viele Studierende psychische Probleme haben, sind vielfältig. Zum einen beginnt mit dem Studium ein neuer Lebensabschnitt: Studienplanung, Prüfungsordnung, eventuell eine neue Stadt – alles ist neu. Häufig fühlen sich die jungen Studierenden dadurch orientierungslos und überfordert. Hinzu kommen Prüfungsdruck, Zweifel und Zukunftsangst. Viele Studierende stehen nach dem Studium auch mit hohen BAföG-Schulden da. Da lastet ein enormer Druck auf den jungen Hochschulabsolventen – teilweise auch durch die hohen Ansprüche an sich selbst. Das kann Ängste und schlimmstenfalls auch eine Depression hervorrufen“, so PD Dr. Dr. Burkhard Gusy, der die Studie mitleitete.

Wichtig ist es, dass bei psychischen Problemen so früh wie möglich gehandelt wird.

Zwar können wir als Nightline in diesen Situationen entsprechend unserer Ausbildung nicht weiter helfen als zuzuhören. Aber damit sind uns die Hände nicht komplett gebunden! Wir können beispielsweise betroffene Studierende dazu ermutigen, sich Hilfe zu suchen oder sich jemandem zu öffnen. Und wir können auf die wachsenden Zahlen aufmerksam machen.

Eine gute Anlaufstelle um sich Hilfe zu holen, bieten zum Beispiel auch die verschiedenen Beratungsstellen des Studierendenwerks Seezeit (https://www.seezeit.com/beratung/). Darunter auch die Psychotherapeutische Beratungsstelle, die bei allen seelischen Belastungen den Studierenden in Konstanz vertraulich und kostenfrei zur Verfügung steht.

Falls du also mit zu viel Stress, Druck, depressiven Stimmungen oder sonstiger psychischer Belastung kämpfst: Du bist nicht allein und musst dich auf keinen Fall dafür schämen, falls du Hilfe brauchst. Also ruf uns an oder schreib uns, vereinbare einen Termin bei der Psychotherapeutischen Beratungsstelle, nutze deren Online-Beratung oder suche dir im Internet eine andere Form der Hilfe.

Hier die Quellen und einige Zeitungsartikel für noch mehr Informationen:

https://www.barmer.de/presse/infothek/studien-und-reports/arztreporte/barmer-arztreport-2018-144304

„Gesundheit Studierender in Deutschland 2017“ – Ein Kooperationsprojekt zwischen dem Deutschen Zentrum für Hochschul- und Wissenschaftsforschung, der Freien Universität Berlin und der Techniker Krankenkasse, J. Grützmacher, B. Gusy, T. Lesener, S. Sudheimer, J. Willige, 2017: https://www.tk.de/resource/blob/2046078/8bd39eab37ee133a2ec47e55e544abe7/studie–gesundheit-studierender-2017-pdf-data.pdf

https://www.tk.de/presse/themen/praevention/studium-stress-studie-depression-2045954

https://www.tagesspiegel.de/gesellschaft/panorama/hochschulen-jeder-sechste-student-ist-psychisch-krank/22610502.html

https://www.stern.de/neon/herz/psyche-gesundheit/depression–psychische-probleme-im-studium–hier-gibt-s-hilfe-8379794.html

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