Erfahrungsbericht zum Studium während der Corona-Pandemie – Awareness Days 2020

veröffentlicht am 23.07.2020

Anfangs noch belächelt und als Übertreibung abgetan, habe auch ich mir wenig Gedanken bezüglich etwaiger Einschränkungen meines alltäglichen Lebens aufgrund der Corona-Krise gemacht. Als alles begann etwas kritischer zu werden, befand ich mich mitten in den Prüfungen des Staatsexamens, auf die ich mich über ein Jahr vorbereitet hatte. Dementsprechend machte ich mir auch hier noch keine wirklichen Gedanken über mögliche Auswirkungen, sondern war voll und ganz auf meine Prüfungen fixiert. Rückblickend kann ich jetzt aber sagen, dass es ein großes Glück war, dass die Prüfungen noch in einem geordneten Rahmen stattfinden konnten. Auch wenn man es sich selber nicht eingestehen will, ist eine solche Prüfungssituation mit einer so langen Vorbereitung ein extremer mentaler Stress.

„Der Urlaub nach eurem Examen wird der beste eures Lebens!“ Statt Urlaub am Strand war meine Zeit nach dem Examen […] geprägt vom Lockdown, ohne jegliche Freizeitaktivitäten und Treffen mit Freunden.

Nachdem die schriftlichen Prüfungen beendet waren, hatte ich ursprünglich einen Urlaub nach Spanien geplant. Noch heute habe ich die Worte vieler Professoren in den Ohren: „Der Urlaub nach eurem Examen wird der beste eures Lebens!“ So viel dazu, mein Flug wurde gestrichen und statt Urlaub am Strand war meine Zeit nach dem Examen vielmehr geprägt vom Lockdown, ohne jegliche Freizeitaktivitäten und Treffen mit Freunden. Auch hier würde man sich wohl nicht selber eingestehen wollen, dass eine solche Situation eine Belastung ist, auch wenn es uns in Deutschland sicherlich noch besser ergangen ist als in manch anderen Ländern.

Ich hatte über zwei Monate starke Kopfschmerzen und konnte auch die freie Zeit nicht wirklich genießen.

Mit dem ausgefallenen Urlaub hatte ich mich relativ schnell arrangiert, trotz der Erleichterung bezüglich der absolvierten Prüfungen wollte sich mein Unterbewusstsein jedoch einfach nicht entspannen. Zuvor nie von Kopfschmerzen geplagt, hatte ich über einen Zeitraum von zwei Monaten starke Kopfschmerzen und konnte auch die freie Zeit nicht wirklich genießen. Heute weiß ich, dass dies wohl mit dem innerlichen Druck zusammenhing, den ich mir nach wie vor machte. Die Ergebnisse des schriftlichen Teils waren erst in drei Monaten zu erwarten – diese Ungewissheit tut dem Körper einfach nicht gut. Zudem war mir klar, dass ich mich auf die noch anstehende mündliche Prüfung vorbereiten musste. Und hier waren dann erstmals die Beschränkungen aufgrund der Corona-Maßnahmen für mich zu spüren. Während meines ganzen Studiums hatte ich stets in der Bibliothek gelernt, da es mir einfach schwerfiel, mich zu Hause zu konzentrieren. Anstatt zu lernen, fand ich in meiner Wohnung immer Dinge, die viel interessanter waren, als Lehrbücher zu wälzen. Aufgrund dieser gemachten Erfahrungen hatte ich Respekt davor, mich nun auf meine mündliche Prüfung nicht in der Bibliothek vorbereiten zu können. Und wie erwartet, funktionierte diese Prüfungsvorbereitung alles andere als gut – was sich auch auf meine Stimmung auswirkte. Zu der Ungewissheit bezüglich der Prüfungsergebnisse kam nun auch ein Gefühl der Panik, die mündliche Prüfung mit einer solch (vermeintlich) schlechten Vorbereitung nicht bewältigen zu können, was sich auch in einigen Momenten mit Tränen widerspiegelte.

Zwar wusste ich, dass es wohl vielen Mitstudenten ähnlich gehen musste, doch änderte dies nichts an dem ständigen Gefühl im Hinterkopf, dass ich mit einer solchen Vorbereitung die Prüfung auch erst gar nicht würde antreten müssen. Insbesondere war nicht einfach damit umzugehen, dass „kein Ende in Sicht“ war, sondern die Situation wohl noch über den Zeitraum der mündlichen Prüfung anhalten würde.

Vielleicht mag das wie ein nerviger Spruch klingen, aber es macht oft keinen Sinn, sich in seine Gedanken hineinzusteigern. Ende gut, alles gut.

Während ich diesen Bericht schreibe, werde ich mir dessen bewusst, wie unnötig meine ganzen Sorgen und Gedanken waren. Die mündliche Prüfung ist nun geschafft und obwohl ich die Corona-Maßnahmen und die damit verbundene Schließung der Bibliothek häufig verflucht habe, habe ich auch etwas aus dieser Situation gelernt. Es macht oft keinen Sinn, sich in seine Gedanken hineinzusteigern und nur das Negative zu sehen. Vielleicht mag das wie ein nerviger Spruch klingen, den man von seinen Eltern hört, aber es hat sich in meinem Fall bewahrheitet: Ende gut, alles gut. Die Kopfschmerzen sind weg und ich kann nun hoffentlich einen entspannten Sommer genießen, ohne an die Beschränkungen zu denken und mir Lebensqualität nehmen zu lassen.

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